Das Europäische Institut für Energieforschung sorgt mit der EIFER DIGIT-IN für neuen Schwung in der Wissenschaft

Das Europäische Forschungsinstitut für Energieforschung EIFER hat mit unserer Hilfe 2015 die 6-monatige Innovationsinitiative EIFER DIGIT-IN ("Digital Innovation Challenge") gestartet. In einem nutzerzentrierten Produktentwicklungsprozess auf Basis von Design Thinking haben die Wissenschaftler des Instituts in einem internen Wettbewerb digitale Innovationen entwickelt und umgesetzt.

 

Lösungen für die Zukunft der Energiewirtschaft

Prof. Dr. Nurten Avcı ist stellvertretende Direktorin des Europäischen Instituts für Energieforschung (www.eifer.org) in Karlsruhe. EIFER ist ein gemeinsames Forschungsinstitut für Energie und Umwelt des französischen Energieunternehmens EDF und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die rund 100 Wissenschaftler des Instituts stammen aus aller Welt. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und betreiben anwendungsnahe Forschung zu Energieeffizienz in Städten und Regionen sowie zu lokalen Energiekonzepten auf Basis erneuerbarer Energien. 

 


Viele Projekte werden im Auftrag der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der EDF durchgeführt - mit unterschiedlichem Erfolg. Fasziniert von den technischen Möglichkeiten, vernachlässigen die Wissenschaftler in vielen Fällen die Bedürfnisse von Auftraggebern und Anwendern. Auch mit der Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen hapert es - viele Lösungen entstehen in Einzelarbeit. 

 

Innovationsinitiative als Wettbewerb um die beste Lösung

Nurten Avcı will das ändern. Mit neuen Impulsen will sie die Innovationskraft und Interdisziplinarität der Organisation stärken. Im Jahr 2015 startet sie eine interne Innovationsinitiative, die die bereichsübergreifende Zusammenarbeit beleben und kollaborative Arbeitsmethoden einführen soll. Vor allem aber soll das Programm digitale Innovationen hervorbringen, die EIFER im Anschluss für interne oder externe Anwender nutzen kann. Deshalb konzipiert Nurten mit unserer Unterstützung die “Digital Innovation Challenge 2015” - kurz “DIGIT-IN”

 

Das 6-monatige Programm gliedert sich in mehrere Phasen: Einreichung von Themen für die Problem Pitch Session, Auswahl relevanter Probleme und Bildung von Teams, Lösungsfindung mit Design Thinking im Innovationsworkshop, Ausarbeitung der Lösung, Solution Pitch Session und agile Umsetzung mit lokalen Software-Entwicklungspartnern. 

 

Problem Pitch: Design Challenges auswählen, Teams bilden

Zunächst werden alle Wissenschaftler des Instituts dazu eingeladen, über das 1-seitige Formular “Problem Catcher” eine präzise formulierte Problemstellung (“Challenge”) vorzuschlagen, für die sie eine Lösung entwickeln möchten. Fragen wie “What is your hypothesis about the user group you try to solve a problem for? (Describe the user / context / his need)” helfen den Wissenschaftlern, die Problemhypothese aus Nutzersicht zu formulieren. Insgesamt 17 Challenge-Vorschläge treffen bei der internen Jury ein, von denen sie die 11 interessantesten auswählt. Die Einreicher werden zur Problem Pitch Session am 7. Juli 2015 eingeladen, um ihre Challenge rund 60 interessierten Kollegen vorzustellen. Nach der Problem Pitch Session, die von mir und meinem Partner Stefan moderiert wird, wählen Publikum und Jury gemeinsam die fünf interessantesten Challenges aus. Am Nachmittag werben die verbleibenden fünf “Problem Champions” beim Publikum für die Mitarbeit in ihrem Team. Die Rahmenbedingungen: Teams dürfen nicht weniger als 3 und nicht mehr als 5 Mitglieder umfassen, und nach Möglichkeit sollten Kompetenzen für User Research, Technologie und Business vertreten sein. Nach meiner kurzen Einführung in das Design Thinking-Framework erhalten die frischgebackenen Teams ein Briefing für qualitative User Research. Sie sind aufgefordert, in den darauffolgenden Tagen mindestens fünf Interviews mit Vertretern ihres Kundensegments zu führen. 

 

InnovationStarter Workshop: Design Thinking anwenden

Eine Woche später, am 13. Juli, kommen die fünf Teams mit den 25 verbliebenen Teilnehmern zum InnovationStarter Workshop zusammen, den wir moderieren. Die Teams durchlaufen den Design Thinking-Prozess und nutzen dabei die Tools Value Proposition Canvas und Business Model Canvas, um Wertversprechen und Geschäftsmodell ihrer Lösungsideen zu modellieren. 

 

In den Monaten nach dem Workshop haben die Teams Zeit, mit dem neu gewonnenen Methodenwissen an ihrer Challenge zu arbeiten. Nächste Zielmarke ist ein 5-minütiger Solution Pitch der ausgearbeiteten Lösung im November. In 30-minütigen Remote-Coaching Sessions per Video-Call bereite ich die Teams auf diesen Pitch vor - für die Teilnehmer eine Gelegenheit zu einer Generalprobe.

 

Solution Pitch: Lösungen für die Umsetzung auswählen

Am 3. November ist es schließlich soweit: Die Teams stellen Publikum und Jury ihre Lösungen vor. Aus den fünf verbleibenden Konzepten werden eine interne sowie eine marktbezogene Produktlösung für die agile Umsetzung mit örtlichen Software-Unternehmen ausgewählt. 

Das Rennen machen die Ideen Connected Institute und Participative Monitoring. Der Online-Service Connected Institute soll EIFER-Mitarbeitern die Suche nach internen Experten, Projekten und Dokumenten vereinfachen und mehrere Datenbanken des Instituts unter einem einheitlichen Interface zusammenführen. Und mit dem Online-Tool SeismicApp aus dem Projekt Participative Monitoring können Hausbesitzer und Behörden über Feedbacks aus der Crowd die seismische Aktivität in Erdbebenregionen oder in der Nähe großer Bohr- und Tiefbauprojekte beobachten. 

Jedes Ende ist ein neuer Anfang

Für Dr. Nurten Avcı war der erste Programmdurchlauf der Digital Innovation Challenge ein voller Erfolg. Die ko-kreative Gestaltung von neuen Event-Formaten gemeinsam mit uns, das gemeinsame Erlebnis der interdisziplinären Zusammenarbeit und die Anwendung neuer Werkzeuge haben neue Impulse in der Organisation gesetzt. 

 

Die Ergebnisse sind von hohem Wert für die EIFER: Das Projekt Connected Institute trifft einen wunden Punkt der internen Kommunikation - seit Abschluss der Initiative treibt eine neu gebildete Arbeitsgruppe dieses wichtige interne Projekt weiter voran. Und für die Lösung Participative Monitoring wurden ein Startup als Projektpartner gewonnen und erfolgreich Drittmittel für die Finanzierung der Umsetzung beantragt. 

 

Dr. Nurten Avcı lobt die “sehr offene und konstruktive Zusammenarbeit” mit uns und freut sich über “viele Anregungen und kreative Ideen zum Design von Workshop-Formaten”. Vielen Dank! Wir freuen uns bereits auf eine Fortsetzung. 

 

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